11. April 2020

Newsletter MAvanti April 2020

 

Die äußeren Rahmenbedingungen zu unserem Projekt haben sich verändert, deswegen ist dieser Newsletter auch etwas länger geworden. Und auch wir sind von Corona betroffen. Wir sind dabei auf den Begriff Resilienz gestoßen, und das lässt uns die Frage stellen, was fehlt dem Mannheimer Wohnungsmarkt zum resilienten System?

 

EIN WECHSELBAD DER GEFÜHLE – und PLATZ FÜR 40 PERSONEN!

Viele Monate zäher Verhandlungen mit der Stadt Mannheim liegen zumindest zeitlich zum größten Teil hinter uns. Ein Wechselbad der Gefühle. Meistens fühlten wir uns hier eher als Spielball im städtischen Planungsprozess, denn wirklich als ein „bürgerschaftlicher“ Akteur, der seit über zwei Jahren versucht, am Konversionsprozess Spinelli mitzuwirken. Der Versuch, uns selbst an der vorgeschriebenen Konzeptvergabe zu beteiligen, ist so verlaufen, dass wir statt wie geplant ein Projekt für 100 Personen jetzt eines für knapp vierzig BewohnerInnen bauen können. Ein aus unserer Sicht wenig transparentes Verfahren mit frustrierend wenig Einflussmöglichkeit. Alle unsere Vorschläge, unsere Mieten günstig und dauerhaft zu gewährleisten, kollidierten letztlich mit „städtebaulichen Aspekten“

Von heute aus – das Auf und Ab der letzten Monate im Rückblick – sagen wir: immerhin ist uns die Verhandlungsebene für ein Haus für knapp 40 BewohnerInnen gelungen.

HOPP oder TOP!

Trotzdem geht es heute immer noch um das finale Hopp oder Top, und es steht dabei Spitz auf Knopf! Ein seit Turley um das 2,4 fache gestiegener Bodenpreis, eine geringere Bebaubarkeit des Grundstücks, die Übernahme teurer Altlastablagerung, der Ankauf nicht benötigter Parkplätze in der Quartiersgarage…. Wir setzen weiter darauf, dass es doch eigentlich ein städtisches Interesse an der Weiterführung der Erfolge des Mietshäusersyndikats auf dem Turleygelände geben muss, dass wir doch noch entscheidende Denkimpulse bei den EntscheidungsträgerInnen der Stadt bewirken können. Es sollte doch auf Spinelli alles besser werden, nicht schlechter? Und gerade Corona zeigt doch die Bedeutung von bezahlbarem Wohnraum für Alle?

Gefühlt X-Briefe und Vorschläge haben wir jetzt buchstäblich jahrelang an die Fachbereiche der Stadt und den Aufsichtsrat der MWSP geschrieben.

Politisch geht es dabei im Wesentlichen um nichts Geringeres, als dass es zusammen gelingt, das Roh-Skript des städtischen 12-Punkte Programms, das zum ersten Mal Anwendung auf dem Baufeld 1 auf Spinelli finden wird, zu einem nützlichen, anwendbaren Werkzeug zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums zu machen. Und dies ohne Quersubventionierung durch anderen, sogenannten freien Wohnraum, wie es für „normale“ Investoren leider übliche Praxis ist. Zur tatsächlichen Schaffung von bezahlbarem Wohnraum also und damit zum nützlichen Werkzeug auch für kleine, gemeinwohlorientierte Akteure wie auch uns als Projekt des Mietshäusersyndikats.

WIE LÄSST SICH RESILIENZ MIT WOHNEN IN VERBINDUNG BRINGEN?

Dabei stehen wir wohnungspolitisch als selbstverwaltete reine MieterInneninitiative sowieso in einem wohltuenden Kontrast zur sonstigen Vergabe der Grundstücke auf Spinelli: über 60% der Wohnflächen werden von Investoren und Fonds erschlossen werden, die diese weiterverkaufen. Ob das dem sozial resilienten Wohnungsmarkt der Zukunft dient, wagen wir zu bezweifeln. Außerdem sind wir das einzige Wohnprojekt auf Spinelli, das die Idee der 30% Verpflichtung beim Wort nehmen, bzw. die Anforderungen sogar übererfüllen will. Mit dem Resultat, dass „Gemeinschaftliches Wohnen“, wie es die Stadt Mannheim definiert, weiterhin für Alle machbar bleibt und Niemanden ausgrenzt.                                                                        

Aktueller Stand heute, April 2020: Wenn es gelingt, das Projekt umzusetzen, dann werden wir nicht 30, sondern 90% des von uns geschaffenen Wohnraums mit preiswerten und sozial gebunden Mieten finanzieren. Mit Mieten von 66% der ortsüblichen Vergleichsmiete (OVM), 2023 also bei vermutlich 7,90 € Kaltmiete!

Wir halten an unserem Ziel fest, den hohen sozialen Anspruch eng zu verbinden mit Klimaneutralität des Gebäudes. An einem ökologisch von der Bauweise möglichst nachhaltigen und mindestens bilanziellem Plusenergiehaus, CO2 frei, ohne Verbrennung und mit langfristig sehr günstigen Warmmieten. Nur durch diese notwendige Kopplung entsteht unserer Meinung nach im Bauen ein wirkliches Stück zukunftsweisende Transformation. Wohnen muss bereits heute in Gebäuden mit klimaneutralem Anspruch von 2050 für Jeden und Jede auch zu bezahlbaren Mieten finanziell möglich sein.

Außerdem haben wir versucht, die einzelnen Wohnflächen aus Gründen der Nachhaltigkeit und der Ressourcenersparnis bewusst kleinzuhalten.

WIE WEIT IST DIE PLANUNG?

Hierfür sind wir bereits einen Startblock weiter: Sobald wir durch ein weiterblickendes Nachsteuern der Stadt ein GO bekommen, und wir einen vernünftigen Kaufvertrag, der uns auch eine langfristige Bindung an von uns angestrebte niedrige Mieten erlaubt, mit der MWSP abschließen können - dann haben wir zusammen mit unseren Architekten bereits gute Planungsbüros und fortschrittliche Ingenieure mit ins Boot geholt, die nur auf unseren Startschuss warten. Wir freuen uns bereits jetzt auf diese Zusammenarbeit und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Wir wissen uns da sehr gut aufgestellt. Rationelle Bauweisen und serielles Bauen werden uns dann die verbleibende Bauzeit bis zur Buga einhalten lassen.

Wir bauen ein vierstöckiges Holz-Beton Hybrid Gebäude mit ca. 1500qm Nutzfläche. Es entstehen 22 Wohnungen, außerdem stehen über 150qm Fläche im EG für die gemeinsame und teilweise auch öffentliche Nutzung im Stadtteil zur Verfügung, hier entsteht ein kulturpolitischer Impuls (Raum) für den neuen Stadtteil.

FÜR WEN IST NOCH PLATZ?

Die Planungen für unser Haus haben wir zusammen mit den Architekten bereits weit entwickelt und so wissen wir aufgrund der Wohnungsgrundrisse und der von uns angestrebten Quote (Stichwort Durchmischung) also heute bereits recht genau, welche weiteren etwa 20 Personen wir noch für dieses Projekt suchen.

Deswegen können wir jetzt parallel zum Bauprozess sehr zielgerichtet auf die Suche gehen, wir bitten Euch hier um Weitergabe der Information an Menschen, die daran interessiert sein könnten.

Jüngere, Familien, Personen mit Migrationshintergrund, oder aus dem nicht akademischen Berufsfeld suchen wir momentan am stärksten.

Alle anderen: Keine Sorge, bereits heute zeichnet sich aus weiteren Personen und Interessierten eine Initiative für das Baufeld 2 ab. Wir gehen von einer Sogwirkung durch unser Projekt auf Baufeld 1 aus und vermutlich bereits 2021 wird es zu ersten Gesprächen mit der Stadt über das Baufeld 2 kommen! Auch hier gilt – wie bei unserem ganzen Projekt – es braucht Selbstverwaltung und die Eigeninitiative!

Alle InteressentInnen müssen sich über die Notwendigkeit der selbstverwalteten Mitarbeit klar sein und Lust darauf haben, gleichzeitig längerfristig über ein entsprechendes Zeitkontingent verfügen, um dieser Verpflichtung auch gerecht zu werden.

Wir verstehen uns dabei nicht nur als selbstverwaltetes Mietshaus, sondern auch als ein politisch und an einer notwendigen Umgestaltung der Gesellschaft engagiertes Projekt.

Für alle Wohnungen gelten außerdem durch die Inanspruchnahme von Förderungen bestimmte - allerdings teilweise gar nicht mal so geringe! Einkommensobergrenzen.

Unsere GruGru (Gruppe „Gruppe“) kann Euch bei aufkommenden Fragen direkt weiterhelfen.

WIE GEHT ES KONKRET WEITER?

Spätestens Ende nächster Woche werden wir unsere überarbeitete Internetseite unter Mavanti-mannheim.de frei schalten.

Sie ist – aufgrund anderer Notwendigkeiten – zwar noch nicht ganz fertig, aber wir brauchen jetzt zu Corona-Zeiten dringend diesen Weg in die Öffentlichkeit. Hier informieren wir Euch über geplante Termine und Infoveranstaltungen, sobald sie denn wieder trotz Corona möglich sein werden. Zwischenzeitlich werden wir für Interessierte andere Wege eröffnen (Mail/Internet/Videokonferenzen etc.)

Auf der Internetseite werden wir auch konkrete Wohnungspläne und Nutzungsideen für unser Haus veröffentlichen.

Als nächste Ziele und Arbeitsfelder haben wir die Vervollständigung unserer Gruppe, den Start der Direktkreditkampagne, die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem muss an den Finanzen gearbeitet werden, die Architektur- und Energieplanung geht zunächst einmal mit professionellen Vorschlägen der Fachplaner weiter.

WIE KÖNNT IHR MITMACHEN, DIE IDEE MITTRAGEN UND UNTERSTÜTZEN, MITFINANZIEREN?

Habt Ihr Fragen, die sich für Euch ergeben? Seht Ihr Möglichkeiten – vorausgesetzt Ihr findet unseren Ansatz es wert – wie Ihr unser Projekt unterstützen könnt? Über Resonanz freuen wir uns, nicht zuletzt, da auch wir durch Corona gerade etwas „offline“ sind. Wir brauchen Feedback und eine Menge Freunde und Freundinnen im Rücken.

Wir werden auch einen Blog freischalten, über den Ihr mit uns in Kommunikation kommen könnt! Außerdem stehen natürlich auch direkte Emailadressen und dann das Telefon als Kontakt zur Verfügung!

Günter Bergmann, MAvanti

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