Geschichte und Projektentwicklung MAvanti bis heute

Der Ursprung

MAvanti knüpft an die ersten Projekte nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats auf dem Konversionsgelände Turley an.

Hier wurden im Konversionsprozess Turley (2012) mit 13Ha Freiheit, SWK und umBAU² Turley 2016 die ersten Projekte durch die MieterInnen bezogen. Seitdem sind die Projektverläufe und die sich einpendelnden, dauerhaft günstigen Mieten eine offensichtliche Erfolgstory für Mannheim. Es leben über 110 BewohnerInnen in den drei solidarisch nebeneinander gelegenen, autonomen Wohnprojekten. Von den insgesamt 650 WE sind die 50 einzig bezahlbaren Wohnungen auf dem gesamten Turleygelände genau hier entstanden.

An dieser Tatsache kommt auch niemand „Offizielles“ der Stadt vorbei. Das Syndikat ist seit dieser Zeit fester Bestandteil der fortschrittlicheren Kommunalwahlprogramme.

Die Anfänge

Schon 2017 war es einigen Engagierten klar, dass diese Bau- und Gruppenerfahrungen und auch die Lernprozesse aus den Verhandlungen mit der Stadt, sowie der positive Schwung des Syndikats in Mannheim in ein Folge-Projekt mitgenommen werden müssen. Angesichts des weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum und des Erfolgs - auch als ein größeres Projekt.

Grundlage für die Idee der Vergrößerung war auch die Beschäftigung mit Züricher und Wiener Genossenschaftsprojekten, die ab einer bestimmten Größe (über 100 Personen) weitere positive Synergieeffekte aus Gemeinschaftsprojekten erkannt haben. Aus den Schweizer Projekten wurde auch die Idee der Quotierung übernommen, also einer Durchmischung des Projektes möglichst analog der Stadtgesellschaft.

Speziell der Neubau von umBAU² diente mit seiner für damalige Mannheimer Verhältnisse innovativen Holz-Hybrid Bauweise und einer solar ausgerichteten Energieerzeugung, bei gleichzeitig sehr günstigen Kaltmieten, als Vorläufer. Bei ersten Treffen mit zunächst fünf Personen Ende 2017 fiel damit eine Planungsaufgabe bereits weg: Baukonzept, Architekten und Handwerker sollten, wenn möglich, einfach übernommen werden. Auch sollten Synergieeffekte aus dem bereits Gebauten entstehen. Aus diesem Grund entstand die Idee bei zwei der damals drei geplanten Gebäude die Architektur von umBAU² zu übernehmen.Drei Gebäude - ein Projekt

Ein weiteres Gebäude wurde angedacht, um mögliche andere Wohnformen (WG's und Cluster) mit ins Gesamtprojekt integrieren zu können.

Als ein weiteres Novum floss in die Idee zu MAvanti noch ein, möglichst viel sozialen Wohnungsbau zu verwirklichen. Mietshäuser Syndikat Projekte sind Modelle für bezahlbares Wohnen – warum nicht die vorhandenen Landesmittel nutzen, die noch dazu von herkömmlichen Investoren oft nicht abgerufen wurden. Bei umBAU² waren wir mit dieser Idee noch an der Bürokratie gescheitert, weil die Landesbank die für das Mietshäuser Syndikat typische Finanzierungsform, Direktkredite als nötiges 20%ige Eigenkapital, 2014 nicht anerkannte.

Landung auf dem Konversionsgelände Spinelli

Ganz logisch landeten wir dann mit der Projektidee MAvanti auf dem Konversionsgelände Spinelli zwischen Feudenheim und Käfertal. Hier soll zum ersten Mal das Mannheimer 12-Punkte-Programm umgesetzt werden, das in „Rohfassung“ eine 30% Quote bezahlbaren Wohnraums - 2018 eine Neuheit in Mannheim - vorsieht. Selbstverständlich waren wir mit dieser für uns Minimalforderung nicht einverstanden: 2/3 des von uns erbauten Wohnraums sollte bezahlbarer Wohnraum sein. Das übrige Drittel ebenfalls Mietwohnraum zu Kaltmieten wie bei umBAU².

Visionsentwicklung

Um diese Idee bereits einmal visionär und bildlich in den damals noch bürgernahen Konversionsprozess Spinelli einbringen zu können, ließen wir unsere Architekten eine Gebäudeskizze auf einem der ersten Erschließungsentwürfe von Spinelli zeichnen.

So war es uns nicht nur möglich, Aufmerksamkeit und erste InteressentInnen zu gewinnen. Auch gegenüber den Mannheimer Stadtplanern und Kommunalpolitikern versuchten wir uns früh im Rahmen der Bürgerbeteiligung darzustellen.

Die öffentliche Aufmerksamkeit war sofort da. Auf der Grundlage der Zeichnung ließ sich die Vision hinter der Idee leichter klären. Die Gruppe konsolidierte sich im Zuge der Visionsentwicklung, einige sprangen ab, andere kamen hinzu. Die Projektgruppe entwickelte sich zu heute konstant 12 Personen. Interessant ist, dass die Idee eines größeren Projektes eher förderlich als abschreckend für Viele ist.

Diese Gruppe versteht sich als „Projektgruppe“, die bewusst seither einen Teil Mehraufgaben übernimmt, bis das Gesamtprojekt zahlenmäßig angewachsen ist.

Die Arbeit der Projektgruppe bisher

Im September 2018 begann ein Teil sehr konkret mit der Arbeit an einem Finanzierungsplan. Eine der ersten Aufgaben war dabei die Grundlagenklärung mit der L-Bank. Inzwischen hatten 2018 aus dem Freiburger Syndikat die GenossInnen des 3Häuserprojekts erstmals ein Modell erprobt, wie die L-Bank für die Förderung des sozialen Wohnungsbaus die Finanzierungsart Direktkredite als Eigenkapital akzeptierte. Würde das in Mannheim so auch funktionieren? Damit begann die Arbeit der Finanzgruppe MAvanti. Außerdem wurden bereits recht konkret erste Finanzierungsanfragen an Banken gestellt, alles auf den Planungsgrundlage der von umBAU² aus hochgerechneten und mit Zuschlägen versehenen Zahlen.

Bereits im Bürgerbeteiligungsprozess Spinelli haben wir zu den Stadtplanern Kontakt aufgenommen, um unsere Ideen zu nachhaltigem Bauen, Energieversorgung, Mobilität in Verbindung mit bezahlbaren Mieten deutlich zu machen und frühzeitig miteinzubringen.

Welche Einkommensobergrenzen würden im sozialen Wohnungsbau gelten? Clusterwohnungen – wie wäre so eine spannende, gemeinschaftliche Wohnform in Mannheim zu fördern? Diese und andere Fragen versuchten wir im Vorfeld mit dem Fachbereich Stadtentwicklung zu klären.

Über 100 Personen – wie sollen die selbstverwaltet, möglichst ohne Hierarchien, bzw. ohne deren Verselbstständigung kommunizieren? Wie kann andererseits ausgeschlossen werden, dass sich Manche nur wenig oder kaum in die Arbeit der Hausentwicklung und -verwaltung einbringen? Noch dazu, wenn auch Personengruppen angesprochen werden sollen, die bisher keinerlei Erfahrung mit Gruppenprozessen gemacht haben? Hierzu arbeitete sich eine Gruppe stärker - und auch teilweise in Seminaren - in das Modell der Soziokratie ein. Wir versprechen uns hiervon ein konfliktärmeres und auch effizienteres Arbeiten.

Außerdem hatten wir den Anspruch, die Energieeffizienz im Vergleich zu umBAU² noch zu erhöhen. Wir wollten eine Speicherlösung (nicht unbedingt autark, sondern vielleicht stadtteilbezogen) für die dunkle Jahreszeit finden und beauftragten sogar ein Ingenieurbüro mit Grundlagen für eine Lösung mit Brennstoffzellentechnik. Höhere Effizenzsteigerungen sollten auch durch Grauwassernutzung und Legionellenfilter entstehen. Mit Stadtmobil Mannheim haben wir über eine mögliche Kooperation bei einer E-Car Sharing Station direkt am Haus gesprochen…

Mit den Architekten war zu klären wie überhaupt die Wohnungen aussehen sollten. Welche Bedarfe haben wir, welche kommen neu hinzu? Hierzu befragten wir auch die Stadt Mannheim bei welcher Wohnungsgröße es die größte Nachfrage gibt.

Die Konzeptvergabe August/ September 2019

Sehr viel Arbeit, gut ausgearbeitete Pläne der Architekten und unsere Ideen in einem Konzeptpapier auf 13 Seiten DIN A4 zusammengetragen, orientiert an 30 Fragen, die die Stadt vorgegeben hatte. Damit bewerben wir uns auf eines der wenigen Grundstücke, das die von uns gewünschte Größe des Projektes zulassen. MAvanti 2019 Architeken Karin und Ralf Vogel

Monatelange Arbeit. Wir sind optimistisch und guter Dinge.

 

Kurze Zeit später werden wird uns recht lapidar mitgeteilt, dass unser Konzept von der zuständigen Planungskommission abgelehnt sei.

Unverständnis, Frust, Wut.

Dann: wir kämpfen uns zurück. Einigen gelingt es höflich nachzufragen, wie es denn doch noch gehen könne. Andere mobilisieren über die Parteien im Gemeinderat Unterstützung. Schließlich bietet uns die MWSP ein viel kleineres Grundstück an. In der Entwicklung später stellt sich heraus, dass hier nur ein Haus gebaut werden kann, in dem lediglich etwa 38 Personen Platz finden werden. Unser Konzept ist also von außen radikal verändert worden.

Wie geht es weiter? Weitermachen? Wir wollen testen, möglichst viele Ideen des Konzeptes mitzunehmen. Dann prüfen, was dabei heraus kommt.

Gleichzeitig stellt sich heraus, das die finanziellen Bedingungen heute (2020 ) auf dem Konversionsgelände Spinelli trotz 12-Punkte Programm schlechter sind als 2016 bei umBAU². Ein Grund sind die um Faktor 2,4 gestiegenen Grundstückspreise.

Heute, April 2020

Wir sind – mitten in der Coronakrise – und mitten in den Vertrags-Verhandlungen mit der MWSP. Klar ist, trotz aller Widrigkeiten, wir sind noch dran. Aber: ohne weitere infrastrukturelle politische Unterstützung wird es nicht gehen! Nachzulesen auch in unserem April-Newsletter!

 

Beiträge

Abgabe der Konzeptbewerbung